Iran 1953: Wie der CIA den Demokraten aus Teheran wegputschte

Im Iran stürzte vor über 70 Jahren der US-Geheimdienst CIA den demokratisch gewählten iranischen Premierminister Mohammad Mossadegh. Auch damals ging es nicht um Freiheit, sondern um Öl. Von der Svu-Redaktion

Schon einmal haben die USA und Großbritannien einen Militärschlag gegen Iran geführt, um sich das Öl des Landes zu sichern. 1953 finanzierte und organisierte der US-Geheimdienst CIA den Putsch der Monarchisten gegen Mossadegh, weil er die Ölindustrie verstaatlicht hatte. Bis zum Zweiten Weltkrieg hatte Großbritannien Teile des Nahen Ostens besetzt und auch große Macht über die iranische Politik. Folgte die iranische Regierung nicht den Wünschen der britischen, drohte diese mit Wirtschaftssanktionen oder Krieg. Vor allem seit Anfang des 20. Jahrhunderts große Ölquellen im Iran entdeckt wurden, wollte Großbritannien das Land um jeden Preis beherrschen.

Die Verstaatlichung der Ölindustrie

Nach dem Zweiten Weltkrieg besaß die Anglo-Iranian Oil Company (AIOC) das gesamte iranische Öl. Der größte britische Konzern gehörte dem Staat Großbritannien und garantierte die Versorgung der britischen Wirtschaft mit Öl. Später wurde das Unternehmen in BP umbenannt. In den 1950er Jahren machte die AIOC 200 Millionen Pfund Profit, zahlte an den Iran aber nur 16 Millionen an Fördergebühren, Dividenden und Steuern. An die britische Regierung hingegen zahlte die AIOC 50 Millionen Steuern. Den Iranern wurde ihre Ausbeutung auch dadurch verdeutlicht, dass Öl im Iran teurer war als in Großbritannien. Außerdem zeigten die britischen Beamten und Manager dieselbe rassistische Arroganz wie in den Kolonialgebieten.

Am 28. April 1951 wählte das Parlament Mohammed Mossadegh zum Premierminister. Bereits am 1. Mai kündigte er die Verstaatlichung der Ölindustrie an. Die britische Regierung vermutete zu Recht, dass sie die Kontrolle über den gesamten Nahen Osten verlieren könnte: „Wenn es Persien erlaubt würde, damit davonzukommen, würden sich Ägypten und andere Länder im Nahen Osten ermutigt fühlen, es auch zu versuchen. Als nächstes könnten sie versuchen, den Suez-Kanal zu verstaatlichen“, so Emanuel Shinwell, damals britischer Verteidigungsminister.

Verfeindete Brüder

Außenminister Herbert Morrison wollte die Armee in den Iran schicken, um die Ölfelder zu besetzen und Mossadegh zu stürzen. Er gestand einem Beamten, er wünschte, er wäre Lord Palmerston, der britische Außenminister, der im späten 19. Jahrhundert die brutale Kolonialpolitik in Indien und dem Nahen Osten befahl und „Kanonenboote schickte, um die Bevölkerung einzuschüchtern“. Doch die britische Regierung hatte nicht genug Soldaten zur Verfügung, um den Iran anzugreifen.

Die britische Armee kämpfte bereits mit den USA in Korea, versuchte in Malaysia ihre Kolonien zu halten und tausende britische Soldaten besetzten in Ägypten die Region um den Suez-Kanal. Daher wurde beschlossen, „nur“ die damals größte Ölraffinerie in Abadan zu beschlagnahmen. Durch die wirtschaftliche Schwächung des Iran sollte Mossadegh zum Rücktritt gezwungen werden. Doch die US-Regierung unterstützte diesen Plan nicht, weil sie den britischen Einfluss im Nahen Osten zu ihren eigenen Gunsten zurückdrängen wollte. Der britische Premierminister Attlee erklärte, „dass angesichts der Position der USA Gewalt beim Halten der Raffinerie nicht eingesetzt werden kann. Wir könnten es uns nicht leisten, in einer solchen Frage mit den USA zu brechen.“

Wie der CIA den Putsch organisierte

Doch schon 1953 finanzierte und organisierte der US-Geheimdienst CIA zusammen mit dem britischen Geheimdienst MI6 den Putsch gegen Mossadegh selbst (Operation Ajax). Im März 1953 bat ein iranischer General in der US-Botschaft um Unterstützung für einen Staatsstreich der Armee. Im April bewilligte Allen Dulles, Direktor der CIA, eine Million US-Dollar für Ausgaben, die „in irgend einer Weise zum Sturz Mossadeghs führen“. Die CIA verbreitete in der iranischen Hauptstadt Teheran regierungsfeindliche Cartoons und begann laut eines Berichts des damaligen CIA-Agenten Donald Wilber, „ungünstige Artikel in die Lokalpresse zu pflanzen“.

Im Juni entwarfen US-amerikanische und britische Agenten zusammen einen genauen Plan für den Putsch. Kurz darauf kam Kermit Roosevelt, Chef der CIA im Nahen Osten und Enkel des früheren US-Präsidenten Theodore Roosevelt, nach Teheran, um den Staatsstreich zu leiten. Am 11. Juli unterschrieb US-Präsident Eisenhower den Plan. Darin war festgelegt, dass die Demokratie im Iran abgeschafft und der bereits ins Ausland geflohene Mohammad Reza Pahlavi wieder als Schah eingesetzt werden sollte.

Am Morgen des 19. August begann die Armee mit dem Putsch. „Schon um 10:15 Uhr befanden sich auf allen größeren Plätzen ganze Lastwagen voller Anhänger des Schahs aus dem Militär“, so Wilber. Kurz nach Mittag fiel das zentrale Telegrafenamt. Ins ganze Land wurden Telegramme geschickt, die zur Unterstützung des Schahs aufriefen. Am frühen Nachmittag eroberte die Armee die Radiostation Teheran, so dass über Rundfunk der Sieg der Putschisten verbreitet werden konnte. Mossadegh und seine Verbündeten wurden verhaftet.

Iran: Der Schah ist zurück

Nach dem Putsch wurde der persische Schah wieder auf seinem Thron installiert – und mit ihm ein brutales Regime, das mit Hilfe eines riesigen Geheimdienstes und der ausgiebigen Anwendung von Folter jegliche Opposition unterdrückte.

In den 1970er Jahren wurde die Zahl der politischen Gefangenen im Iran auf 20.000 geschätzt. Den USA bot das Regime unter dem Schah die gewünschte Stabilität und sie unterstützten die Herrschaft Pahlavis mit viel Geld und vielen Waffen. Im Gegenzug wurde das iranische Öl einem Konsortium aus einem US-amerikanischem, einem britischen, einem französischen und einem niederländischen Konzern geschenkt. Nicht ein Cent der Profite aus dem Ölgeschäft ging an die Iraner. Jeden Tropfen Öl musste der Iran zurückkaufen.

Der Iran entwickelte sich so neben Israel zu einem zweiten wichtigen Bündnispartner der USA im Nahen Osten. Die CIA errichtete im Iran ihr Hauptquartier für die Region, in dem 24.000 »militärische Berater« tätig waren.

Wirtschaftssanktionen und Krieg

Umso größer war der Schock für Washington, als im Jahr 1979 im Iran eine Revolution ausbrach und der Schah 1979 aus dem Land fliehen musste. Die US-Armee war in ihrer globalen Handlungsfähigkeit nur wenige Jahre nach der Niederlage in Vietnam eingeschränkt. Hilflos musste die US-Regierung mit ansehen, wie einer ihrer zentralen Pfeiler in der Region zusammenbrach.

Durch die Revolution“ 1979 verloren die amerikanischen und europäischen Konzerne wieder die Herrschaft über das iranische Öl. Deshalb bedrohen heute die USA wieder den Iran, über 65 Jahre nach dem Sturz Mossadeghs. Die wirtschaftlichen Sanktionen gehen Hand in Hand mit der militärischen Aufrüstung der USA am Golf. Sie sind Teil einer Eskalation, die die Region gefährlich nah an den Rand eines weiteren Krieges bringt.

Das Szenario des Irak der Jahre von 1991 bis 2003 könnte sich wiederholen: Erst wurde das Land durch Wirtschaftssanktionen und punktuelle militärische Aktionen geschwächt, dann folgte der Krieg. Es ist die Zivilbevölkerung, die in beiden Fällen den höchsten Preis dafür zu zahlen hat.


Titelbild: turner.com